Hopenet.ch: Treue in einer Ehe ist der Grundstein für Vertrauen

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TREUE

von Urs Schmid

Treue
Treue ist die Grundordnung jedes menschlichen Zusammenlebens. Wo man sich nicht mehr die Treue hält, wo man sich nicht mehr aufeinander verlassen kann, wird menschliches Leben zerstört. Das lässt sich heute gut beobachten: Nachlässigkeit in Pflege und Erziehung der anvertrauten Kinder, Untreue in der Ehe, Wortbrüchigkeit bei Versprechen und Zusagen in privaten, politischen und wirtschaftlichen Bereichen durch Veruntreuung von Geld, Steuerhinterziehung, verantwortungslosen Umgang mit Besitz und vielem mehr.

Im Zeremoniell der kirchlichen Trauung geloben Braut und Bräutigam einander zu lieben, zu ehren und sich die Treue zu halten - bis der Tod sie scheide. Dies war über Jahrhunderte Grundlage für Ehe und Familie, der Kernzelle der menschlichen Gemeinschaft. Diese Kernzelle ist bedroht! Ehepaare sind unglücklich; Ehen scheitern, werden aufgelöst. Zurück bleibt der Traum einer einzigartigen, dauerhaften Liebe. Die Angst vor dem zerronnenen Traum ist einer der Gründe, warum viele junge Menschen nicht heiraten, sondern mit ihrem Freund, oder Freundin in eine gemeinsame Wohnung ziehen, um in unverbindlicher Weise Liebe und Freundschaft zu testen. Erst nach jahrelanger Probezeit wird dann vielleicht das Versprechen auf Treue abgelegt. Dieser sanfte Einstieg in eine Zweierschaft soll bezüglich Scheidung prophylaktisch wirken. Die statistischen Erhebungen beweisen das Gegenteil. "Treue, bis dass der Tod uns scheidet", ein unerreichbares Ideal? Eines ist sicher, wer nicht versteht, was "Treue" bedeutet, riskiert "Reue bis zum Tod"!

Untreue ? oder die Geschichte mit dem goldenen Kalb

Einmal mehr kann man am Volk Israel lernen, wie sich Treue und Untreue zeigen. Die Geschichte vom "Goldenen Kalb" ist ein Beispiel menschlicher Treulosigkeit. Gott hatte seine Versprechen an Abraham, Isaak und Jakob gehalten. Durch Zeichen und Wunder befreite er das Volk aus der Gefangenschaft und Sklaverei in Ägypten. Gott berief Mose zum Führer des Volkes. Durch schreckliche Plagen nötigte er den Pharao, das Volk ziehen zu lassen. Kaum waren sie unterwegs, versuchte der Pharao, seine billigen Arbeitskräfte zurückzuholen. Gott verhinderte dies am Roten Meer. Israel zog durch, und das Heer des Pharao ertrank in den Fluten des (zurückströmenden) Wassers. Gott geleitete und schützte sein Volk auf ihren Wegen. Er schloss mit ihnen einen Bund. Das erste Gebot war: "Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben." Kaum bekommen, so zerronnen. Während der Zeit, da Mose die Gesetzestafeln bekam, gossen sie ein goldenes Kalb und beteten es an (2. Mose 32-34). Die biblische Darstellung des Volkes Israel ist eine Geschichte der konsequenten Untreue des Volkes und der unbegreiflichen Güte und Treue Gottes (Jahwe). Zusammenfassend könnte man zum Alten Testament sagen: "Treu ist Gott allein!" Der Mensch zeichnet sich aus durch Untreue. Nur wenige Jahre wandelte das Volk Israel auf Gottes Wegen - unter der Führung der beiden von Gott eingesetzten Männer, Josua und David.

Treu und Glauben ? möglich durch den Glauben an die Treue Gottes

Doch die Untreue des Menschen veränderte Gott in seiner Treue nicht. Er blieb und bleibt sich, seinen Verheissungen, seinem Volk und seiner Menschheit treu. Gottes Treue führte dazu, dass er seinen Sohn, Jesus Christus, für uns hingab. Jesus trug und trägt für uns Menschen die Strafe für unser Abwenden und unsere Treulosigkeit. Wir Menschen haben Jesus abgelehnt und ans Kreuz genagelt; dort starb er. Gott blieb treu und auferweckte ihn. Menschen begriffen das Evangelium; sie kamen zum Glauben an den Sohn Gottes. Der Glaube an die Treue Gottes verwandelte sie. Sie wurden zur stärksten Kraft im alten Rom. Der Glaube an Gottes Treue machte aus treulosen Menschen vertrauenswürdige Persönlichkeiten, welche die Welt neu gestalteten. Durch den Glauben an die Treue Gottes wurde Treue in der Ehe möglich, Menschen wurden wieder zu vertrauenswürdigen Geschäftspartnern und Staatsmännern. "Treu und Glauben", die Grundlage menschlicher Beziehung, wurde durch den Glauben an Gottes Güte und Treue möglich - blieb aber immer auch gefährdet!

Fazit: Der natürliche Mensch ist mit dem Gebot der absoluten Treue überfordert; er sieht zuviel Verrat, Ehebruch und Treulosigkeit in der Gesellschaft. Woher soll er die Kraft nehmen, anders zu sein als die Andern, als das, was wir Tag für Tag von den Medien hören und sehen, in Beziehungen erleben?

Ist Treulosigkeit damit entschuldigt?

Nein. Es zeigt uns nur, dass der Mensch aus sich heraus, Treue nicht bringt. Treue widerspricht unserer natürlichen Trägheit und unserer Neigung, das zu tun, was uns gerade liegt. Unbeständigkeit ist oft Ausdruck eines labilen Egoismus, der heute dies will, morgen jenes. Ein Handeln in Treue ist genau das Gegenteil, denn es bleibt sich alle Tage gleich. Der Mensch braucht Gott. Der Blick auf Gottes Treue ist der einzige, sichere Anker im Leben. Gottes Treue ist in seinem erklärten Willen verankert, uns und die ganze Welt nicht loszulassen. Und was er will, das führt er auch durch; auf ihn ist Verlass.

Treue ist nicht ein unerreichbares Ideal. Treue ist die Ureigenschaft Gottes. Wer ihn kennt und sein Leben der Führung Gottes anvertraut, wird mehr und mehr von der Treue Gottes geprägt leben!

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