mit
Hans Brauchli
B: Nach 27 Jahren Ehe verlor Hans Brauchli ganz unerwartet seine Frau. Hans, was war geschehen?
H: Wir hatten gerade schöne Ferien miteinander verbracht und verbrachten den Abend zusammen mit unserer jüngsten Tochter, als meine Frau plötzlich über einen heftigen Schmerz im Nacken klagte. Sie fiel zusammen; glücklicherweise war das Bett gleich nebenan. Sie war augenblicklich bewusstlos. Die Tochter rief geistesgegenwärtig die Ambulanz an. Sie wurde sofort in die Notfallstation des Spitals gebracht. Dort trafen wir auf eine Krankenschwester, die wir kannten und die wie wir an Gott glaubte. Sie legte mir die Hand auf die Schulter und betet für mich. Das war ein wunderbares Erlebnis.
B: Was war eigentlich deiner Frau widerfahren?
H: Eine erste Ahnung bekamen wir, als ein Arzt auf uns zukam und uns fragte, ob wir für eine Organtransplantation bereit wären. Jetzt wussten wir, dass es nicht gut stand. Sehr bald konnten wir zu meiner Frau in die Intensivstation. Das war kein schönes Bild: überall Apparaturen und Schläuche. Verwandte kamen und Freunde. Wir verstanden langsam, dass wir mit ihrem Tod rechnen mussten.
B: Nun bist du ja ein gläubiger Christ. Hast du in dieser Situation nicht gebetet und auf ein Wunder gehofft?
H: Ich habe auf ein Wunder gehofft. Auch die Kinder taten das. Auch irgendwie damit gerechnet, denn ich hatte selbst schon Wunder an meinem Körper erlebt. Und wir haben selbstverständlich gebetet. Wir beteten: Gott du kannst meine Frau wieder gesund machen. Du kannst Wunder tun. Aber wir haben auch gebetet: Herr, dein Wille geschehe. Wenn du sie heimholen möchtest, müssen wir auch lernen bereit zu sein, das zu akzeptieren.
B: Woran ist deine Frau eigentlich gestorben?
H: Auf Grund des Röntgenbildes hatte uns der Oberarzt erklärt, dass ganz starke Blutungen im Kopf stattgefunden hatten.
B: Konntest du dich mit dem Willen Gottes abfinden?
H: Eigentlich kann man sich mit so etwas nicht einfach abfinden. Da gehen viele Gedanken durch den Kopf - und Gefühle. Schmerz kommt auf, Trauer kommt auf. Das war ein langer Prozess.
B: Was hast du in den Momenten grossen Schmerzens getan,, wenn du alleine warst, ohne deine Frau?
H: Ich habe viel geweint. Mal laut, mal leise gebetet. Ich konnte nur sagen: Hilf mir, hilf uns, diese Situation zu verstehen und zu verarbeiten, hilf uns die nächsten Schritte zu gehen.
B: Wie lange ist es her, seit du deine Frau verloren hast?
H: Das war im März 1997.
B: Hast du deinen Verlust unterdessen überwunden?
H: Mit Gottes Hilfe - ja. Dank den persönlichen Gebeten, dank dem, dass Gott für mich nicht einfach Religion ist, sondern eine Kraft in mir geworden ist. Ich durfte mit seiner Hilfe diese Not und Trauer überwinden. Auch die Gebete von vielen Freunden haben dazu beigetragen.
B: Heute bist du wieder glücklich verheiratet. Was ist geschehen?
H: Ein Wunder ist geschehen. Gott hat mich wieder mit einer wunderbaren Lebenspartnerin beschenkt.
B: Danke für das Gespräch.