Hopenet.ch: Bund - Ein Fremdwort in unserer heutigen Gesellschaft?

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BUND

von Urs Schmid
Ich war kaum zwanzig Jahre alt und steuerte mit grossem Stolz mein erstes Auto, als ich dem freundlichen Mann auf dem Parkplatzareal des Warenhauses begegnete. Er klärte mich über die Problematik des heutigen Rechtswesens auf. Heiss und kalt lief es mir den Rücken hinunter, als er aufzählte, was mir alles zustossen könnte: Ohne eigenes Verschulden könnte ich im Nebel bei Schnee und Matsch in einen Unfall verwickelt werden. Wie könnte ich mich dann gegen ungerechtfertigte Schadenersatzforderungen und Schuldzuweisungen schützen? Auch könnte ich auf meiner nächsten Ferienreise zu Schaden kommen. Wer würde mir helfen, wenn ich vielleicht im Spital liegen und weder Sprache noch Gesetzgebung beherrschen würde? Mit solchem Wissen unterschrieb ich, kaum volljährig, einen Vertrag für eine Rechtsschutzversicherung. Die Zusage, dass mir der Gerechtigkeit verpflichtete Anwälte in entsprechenden Situationen kostenlos beistehen würden, schien mir die jährlichen Versicherungsprämien wert. Während meinem Theologiestudium sahen die Dinge wieder anders aus: Für Reisen oder Auto war das Budget zu klein. Ich musste mich nie mit Schadenersatzforderungen und Schuldzuweisungen beschäftigen. Die jährlich zu zahlende Versicherungsprämie war zunehmend belastend. Der eingegangene Vertrag war schwierig zu kündigen. Ich hatte versäumt, das Kleingedruckte aufmerksam zu lesen.

Bund zielt auf das Wohlergehen des Andern, Verträge auf das eigene

Verträge regeln wechselseitige Verpflichtungen zweier Partner. Bei Verletzung der Vertragsbedingungen droht Gericht und Strafe. Jeder Vertragspartner ist daran interessiert, dass seine Interessen gut abgesichert aber seine Verpflichtungen möglichst klein sind. Vertragspartner suchen in erster Linie ihr eigenes Wohlergehen. Anders sind die Voraussetzungen beim Bund. Die Begriffe "Bundesrepublik", "Eidgenossenschaft" oder "Ehebund" basieren auf einem anderen Denken. Es beinhaltet das Wohl des Bundespartners. Die alten Eidgenossen schworen sich in Not gegenseitige Militärhilfe. Auch in den Bündnissen zwischen Ehepartnern steht nicht das eigene, sondern das gemeinsame Wohlergehen an erster Stelle.

Die griechische Wortbedeutung von Bund meint eine unumstössliche, von niemandem rückgängig zu machende Bestimmung (lat. Testament). Im Testament kann eine Person verfügen, was nach dem Tod mit dem zu verteilenden Besitz geschehen soll, es geht in keiner Weise mehr um das eigene Wohl, sondern um das Wohl der Erben.

Gott hat mit Menschen immer Bündnisse geschlossen: Mit Noah, Abraham, Israel, David usw. Gott will nicht eigennützig etwas vom Menschen, nein, er sucht dessen Wohlergehen. Gott hat sich in freier Wahl an den Menschen gebunden; und diese Selbstverpflichtung Gottes ist durch nichts mehr aufzuheben. So sehr hat sich der lebendige Gott erniedrigt und bedingungslos an unser Wohl gebunden, dass er das Leben seines eigenen Sohnes dafür einsetzte. Jesus hat durch sein Sterben am Kreuz von Golgatha für unsere Schuld bezahlt. Der Mensch soll befreit im Bund des Wohlergehens leben können. Keiner von uns kann für seine Treue Gott gegenüber garantieren, aber Gott garantiert uns in Jesus Christus seine Treue. Im Opfer Jesu Christi hat Gott seinen Treuebund für alle Welt aufgerichtet und rechtskräftig bestätigt. Und jedes Mal, wenn ein Mensch seinen Treuebruch, seine Schuld vor Gott bekennt, stellt er sich auf die Grundlage dieses Bundes: Gott vergibt, was wir ihm bekennen. So gut ist Gott.

Der Mensch hat die Freiheit, den Lebensbund mit Gott anzunehmen oder abzulehnen

Wir sind immer wieder geneigt, unser Vertragsdenken auf unsere Gottesbeziehung zu übertragen. Wir fürchten, dass dieser übermächtige Partner von uns Opfer und Gesetzestreue fordert. Dies mag der Grund sein, warum viele ihre Verpflichtungen Gott gegenüber aufkündigen möchten, wie bei einem Vertrag, mit dem sie nicht mehr zufrieden sind.

Eines müssen wir allerdings beachten: Es ist folgenschwer, ob wir den Bund Gottes persönlich annehmen oder ablehnen. Das steht dem modernen Denken von Freiheit und Autonomie entgegen. Es hat den Menschen dahin gebracht, dass er sich das Recht anmasst, Wahrheit und Gültigkeit des göttlichen Bundesangebotes grundsätzlich in Frage zu stellen. Demgegenüber bezeugt die Bibel klar, dass der Mensch in jedem Fall Gott gegenüber verantwortlich ist. Der Mensch hat während Lebzeiten die Freiheit, Gott abzulehnen, aber nach seinem Sterben wird er im jüngsten Gericht vor Gott sein Leben zu verantworten haben. Viele Errungenschaften in unserer Welt verdanken wir der Entwicklung der freien Vernunft des Menschen, doch unser irdisches Leben und unser Wohlergehen in Zeit und Ewigkeit verdanken wir einzig dem Gott und Schöpfer unserer Welt, der mit dem Menschen im Bund stehen möchte.

Gibt es etwas Wichtigeres und Schöneres als in die Absicht Gottes, uns aus Unheil, Schmerz, Leid, Sinnlosigkeit, Sünde und Tod herauszuholen, einzuwilligen? Gott lädt jeden Menschen ein, Stolz und vermeintliche Autonomie aufzugeben, und mit ihm in eine lebendige und ewige Bundes-Beziehung zu treten. Ein kurzes, aufrichtiges "Ja, Jesus Christus, ich willige gerne ein", kann der erste Schritt in diese Lebensbeziehung mit Gott sein.

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