E h e - S c h e i d u n gIst Scheidung nicht die einfachste Art, eine festgefahrene Konfliktlösung zu beseitigen?
In unserem hektischen, konsumorientierten Zeitalter sind immer schnelle, wirksame Lösungen gefragt - in Wirtschaft und Politik. Daher liegt es nahe, auch im familiären Bereich eine scheinbar schnelle Lösung für gestörte Beziehungen zu wählen: Scheidung. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, lautet dann die Begründung. Der Aufwand für Alternativen scheint zu gross, nicht lohnenswert. Wer so denkt, verpasst etwas vom Wichtigsten im Leben: Persönlichkeitsreifung. Wer den Willen zur "Krisen-Behandlung" aufbringt, wird auf allen Gebieten des Menschseins profitieren und eine persönliche Bewusstseinserweiterung erfahren.
Darf ich meinen Gefühlen bei Entscheidungen - wie z.B. Scheidung - trauen?
Beziehungen basieren nicht primär auf Gefühlen. Gefühle gehören zu einer glücklichen Ehe, daraus erwächst Zuneigung. Aber Gefühle allein tragen nicht durch, weil sie schwankend sind. Ehe muss darum primär in Treue und nicht auf Emotionen gegründet sein. Jeder braucht das Versprechen der Treue, damit seine Gefühle sich in einem Raum der Geborgenheit und Wertschätzung entfalten können. Je fester zwei Menschen durch die Brücke des Vertrauens verbunden sind, desto grösser wird der Spielraum, den sie sich gegenseitig gewähren können; und umso stabiler wird die Ehe - auch in Krisenzeiten.
Wo sind die Vorbilder, die Treue und Verantwortung vorleben - auch in der Ehe?
Das Kind tut primär das, was es bei den Eltern vorgelebt sieht, die jungen Menschen ahmen Autoritäten und Idolen nach. Aber, wo sind die grossen Vorbilder für Verantwortung und Treue? Wenn die Eltern Scheidung vorleben, werden auch die Kinder in Krisen schnell zu solchen Massnahmen greifen. Wenn die Autoritäten unserer Gesellschaft das unverbindliche Zusammenleben (Konkubinat) gutheissen, in manchem der Ehe gleichstellen, werden die Glieder dieser Gesellschaft diesen einfachen, unverbindlichen Weg auch gehen. Ist es da verwunderlich, dass auch die vor dem Traualtar gegebenen Versprechen immer öfters gebrochen werden, sich Mann und Frau immer mehr aus ihrer Verantwortung zu schleichen beginnen? Der Mensch braucht zuverlässige Vorbilder!
In vielen Lebensbereichen der heutigen Gesellschaft lässt sich eine Verschärfung und Anhäufung der Gesetze feststellen; im Eherecht hingegen werden geltende Normen abgeschwächt (z.B. Trennungszeit) oder gar aufgehoben (z.B. Schuldfrage). Warum? Ist der Grund vielleicht der Druck gesellschaftlicher Veränderungen? Viele Rechtsvertreter äussern sich betroffen über die Leichtfertigkeit, mit der sich heute Ehepartner scheiden lassen. Oftmals dringt auch hier eine eigentliche Konsumhaltung durch. Kommt man mit seiner Ehesituation nicht mehr klar, macht man nicht lang, man gibt die Beziehung auf und sucht sich bald eine neue. Dabei bedeutet eine Scheidung immer einen Schnitt in lebendiges, soziales Gewebe. Davon werden neben den Ehepartnern und den Kindern auch andere tangiert: Grosseltern, Verwandte und Bekannte. Das Problem der leichtfertigen Ehescheidung ist aber nicht neu. Schon Jesus Christus wurde mit diesem Problem konfrontiert. Rechtsgelehrte fragten ihn, warum Mose - als Gesetzgeber der Juden - eine Scheidungsmöglichkeit schuf, wenn diese doch im Widerspruch zu Gottes Vision für die Ehe stehe. Jesus antwortete, das sei wegen der Uneinsichtigkeit und Härte des Menschen geschehen, von Gott, dem Schöpfer aber ursprünglich nicht gewollt. Diese nüchterne Beurteilung gilt bis heute.
Ehe, eine Gabe und Aufgabe Gottes
Der Ehebund ist ein Gedanke Gottes, es ist ein Treueversprechen auf Lebzeit. Die Liebe zwischen Mann und Frau ist ein Geschenk des Schöpfers und kann ein Stück Paradies auf Erden sein, ein Ort der Geborgenheit, Zugehörigkeit und Wertschätzung. Ehegemeinschaft ist aber auch Aufgabe. Wir sind verantwortlich, für einander da zu sein, in guten und schlechten Zeiten, alles miteinander zu teilen - Freud und Leid. Ehe ist kein Freibrief, um sich gehen zu lassen, sondern eine ausgezeichnete Schule zur Reifung. Man könnte auch sagen: Eine Diamantenschleiferei, wo Ecken und Kanten abgeschliffen werden, wo man lernt, sich gegenseitig zu vergeben.
Verbindlichkeit und Treue stehen dem Egoismus und Lustprinzip entgegen
Eine verbindliche Beziehung verlangt Opfer, da ist der Wille zur eigenen Veränderung gefragt. Und das steht der heute gängigen Denkweise konträr entgegen. In der heutigen Gesellschaft wird das Lust- und Selbstverwirklichungsprinzip als höchstes, erstrebenswertes Ziel propagiert. Damit gaukelt unsere postmoderne Zeit etwas vor, was es gar nicht geben kann. Lust gibt es nie nur zum Selbstzweck und losgelöst von Verantwortung, sondern nur in Verbindung mit Hingabe, Schmerz und Leid. Lust, losgelöst von ihrer wahrer Bestimmung innerhalb der ehelichen Liebe, verlangt Steigerung, und damit wird die Lust sehr rasch zur Perversion. Liebe die Leid von sich stösst, ist keine wahre Liebe. Und der Bund der Ehe kann nur in der Atmosphäre einer selbstlosen Liebe gedeihen. Dazu braucht es auch den persönlichen Willen beider, sich diesem Schleifprozess aussetzen zu wollen. Leider sind diese Voraussetzungen oft nicht geschaffen und die Ehe ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Dies ist auch der Hauptgrund für die vielen unverbindlichen Konkubinate.
Ursprung der Scheidung
Die Anfänge liegen weit zurück, in der verstaubten Vergangenheit menschlicher Geschichte. Anders als beim Ehebund ist Scheidung kein Gedanke Gottes, sondern eine von Menschen geschaffene Institution. Das biblische Zeugnis hält fest, dass sie - obwohl von Gott durch Mose zugelassen - nicht von Gott gewollt ist. Er will, dass Ehen eine Lebzeit Bestand haben. Die Aussagen von Jesus Christus unterstreichen diese Tatsache. Der Mensch scheiterte am Willen Gottes. Die Verletzung dieser von Gott gewollten Ordnung von Recht, Vertrauen und Liebe im zwischenmenschlichen Bereich ist auf den Vertrauensbruch des Menschen Gott gegenüber zurückzuführen. Das entstandene Misstrauen Gott gegenüber geschah im Sündenfall. Das kindliche Vertrauen, dass Gott für den Menschen nur das Beste will, wurde durch das Hinterfragen der "Schlange" untergraben und schliesslich umgestossen. Von da an begann Schuld den Menschen zu belasten und zerstören - auch in seinen Beziehungen. Der Mensch wurde hart und selbstzentriert. Jeder leidet darunter, jeder wurde verletzt und verletzte andere. Es zerbrechen daran nicht nur Partnerschaften, sondern Familien und Freundschaften.
Alternativen zur Scheidung
Der mit Weisheit gesegnete König Salomo schreibt im vierten Kapitel seines Prediger-Buches: "Einer mag überwältigt werden, zwei können widerstehen, aber eine dreifache Schnur reisst nicht leicht entzwei!" Was meint er damit? Die Chancen für ein erfolgreiches Eheleben sind gross, wenn zwischen den beiden Eheleuten und Jesus Christus - dem Dritten im Bund - eine enge Beziehung besteht. Wo er nicht mit dabei ist, fehlt das Wichtigste. Gott ist Liebe (Agape); er liebt jeden ohne zu erwarten, wieder geliebt zu werden. Und jeder Mensch, der sein Leben Jesus Christus anvertraut hat, empfängt diese Liebe. Paulus bestätigt im fünften Kapitel seines Briefes an die Römer: Agape, die göttliche Liebe wird dem Glaubenden ins Herz gegeben durch den heiligen Geist. Diese Liebe durchsteht Widerwärtiges, sie lässt den Schleifprozess an der eigenen Persönlichkeit zu, sie vergibt, lässt den Andern frei und sieht und fördert das Gute im Andern. Die Hingabe an Gott, statt an Egoismus, befreit und befähigt zu neuer Hingabe an die Mitmenschen - auch den Ehepartner. So können Lebenskrisen und Eheprobleme viel leichter durchstanden und gelöst werden.
Haben Sie Ihr Leben schon Jesus Christus anvertraut?