Hopenet.ch: Tradition Pfingsten - machen Traditionen noch Sinn

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PFINGSTEN-HOFFNUNG

Interview mit Lilian Schmid
 
 

B: Lilian Schmid ist verheiratet mit einem Pfarrer. Gemeinsam haben sie drei Söhne. Lilian ist Lehrerin an einer Primarschule und unterrichtet unter anderem das Fach Religion. Lilian, im Religionsunterricht vermittelst du den Kindern Traditionen. Mit welchen Traditionen bist du eigentlich aufgewachsen?


L: Ich bin in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen mit den Traditionen der katholischen Kirche. Wir haben abends und am Mittagstisch gebetet, sind jeden Sonntag in die Kirche gegangen und wir haben alle diese Kirchenfeste intensiv gefeiert: Weihnachten, Ostern, Fronleichnam, Allerheiligen - die Feste des Kirchenjahres hindurch.


B: Wie hast du diese Traditionen empfunden?


L: Ich habe sie sehr positiv empfunden. Sie gaben mir als Kind einen sicheren Halt, einen Rahmen, darin ich mich sehr geborgen gefühlt habe und ich habe mich jedes Jahr wieder auf diese Feste gefreut.


B: Gab es einen Moment in deinem Leben, da du diese Traditionen hinterfragt hast?


L: Ja, und zwar kam das eher von aussen an mich heran: Mein damaliger Religionslehrer im Gymnasium hat uns gesagt, dass wir unseren Kinderglauben hinterfragen sollten, nicht einfach alles ungefragt übernehmen, sondern wir sollten nach neuen Antworten suchen. Das hatte ich dann auch getan, hatte aber diese Antworten nicht gefunden. So war Gott für mich immer mehr in die Ferne gerückt bis er irgendwann nur noch eine unbestimmte höhere Macht war, zu der ich keine persönliche Beziehung mehr hatte.


B: Heute gehst du wiederum regelmässig in den Gottesdienst und liest die Bibel. Haben die Traditionen also wieder Bedeutung bekommen?


L: Ja, aber sie haben eine ganz neue Bedeutung bekommen. In der Zeit meiner Ausbildung am Lehrerseminar hatten wir mal ein Gruppengespräch, wo wir der Frage nachgingen, wie jeder von uns zu Gott stünde. Als ich antworten sollte, wurde mir bewusst, dass ich keine Ahnung hatte, wie ich eigentlich zu Gott stünde. Das hat mich nachdenklich gemacht. Darauf sagte ich mir: Entweder es gibt einen Gott und dann möchte ich ihm auch nachfolgen und ihn kennenlernen oder es gibt keinen Gott und in diesem Falle will ich alles, was mit Tradition und Kirche zu tun hat fallen lassen.


B: Und hast du diesen Gott gefunden?


L: In einem Studentenlager setzte ich mich intensiv mit dieser Thematik auseinander und dort spürte ich , dass es wirklich einen Gott gibt. Er hatte mich damals berührt und körperlich geheilt. Auch wenn es nichts Spektakuläres war, wusste ich von da an, dass es ihn gibt und man mit ihm in Verbindung kommen, eine persönliche Beziehung haben kann. Seither sind diese Traditionen mit dem eigentlichen Sinn gefüllt.


B: Danke, Lilian, für das Gespräch.


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