Hopenet.ch: Ehrlichkeit um jeden Preis?

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EHRLICHKEIT

von Werner Kniesel
Ehrlichkeit in Beruf und Gesellschaft ist eine gewaltige Herausforderung. Die Versuchung ist gross, den Tatbestand etwas zu manipulieren oder auch nur etwas zu relativieren. Erschreckend schnell wird alles trüb - wie eine Landschaft im Nebel.

Grenzen zwischen Ehrlichkeit und Unehrlichkeit

"Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht!" Dieses bekannte Sprichwort zeigt die vergiftende Wirkung der Unehrlichkeit. Wer meint, ein bisschen Schwindeln könnte doch nicht schaden, der übersieht die Tatsache, dass es keine relative Unehrlichkeit gibt. Der Belogene oder Betrogene fragt sich später bei jeder ähnlichen Situation; "Ist er schon wieder unehrlich, schon wieder ein Versuch zu schummeln oder belügen?" Es bleibt Misstrauen bestehen, selbst wenn der Täter sich diesmal bemüht, ehrlich zu sein. Ehrlichkeit und Vertrauen gehören genau so eng zusammen wie Unehrlichkeit und Misstrauen.

Handeln auf Treu und Glauben, so heisst es im schweizerischen Obligationenrecht; das sollte Grundlage unseres Miteinanders sein. Mit dieser Annahme gehen wir täglich ins Lebensmittelgeschäft und kaufen ein. Wir vertrauen auf die Zusage, dass die angebotenen Waren - Milch, Butter, Eier, Brot etc. - frisch sind und wir beim Zahlen an der Kasse Rückgeld erhalten, das echt ist. Wir vertrauen darauf, dass die aufgeführten Menues im Restaurant auch qualitativ einwandfrei sind - wir keine Vergiftung davon tragen. Dass dies im Allgemeinen noch funktioniert, hat viel mit dem Konkurrenzkampf in der Wirtschaft zu tun. Trotzdem nimmt die Unehrlichkeit stets zu - weniger mit Waren als mit Worten. Viele sind der Ansicht, dass es nur noch der zu etwas bringt, der die Ehrlichkeit sanft zu biegen weiss. So werden Versicherungen betrogen und Steuern hinterzogen.

Gründe für Unehrlichkeit - Lügen und Betrügen

Die Gründe für Unehrlichkeit sind ganz verschieden. Der Eine lügt aus Angst oder unter dem Druck einer Konfliktsituation. Der Andere, um sich einen Vorteil zu verschaffen oder sich in ein besseres Licht zu rücken. Ängste spielen eine grosse Rolle bei Unehrlichkeit. Man will dem Verlust an Liebe oder Freundschaft vorbeugen. Man will sein Ansehen, sein Prestige oder seine Stellung wahren. Und was tun, wenn der Vorgesetzte erwartet, dass man dem Kunden gegenüber den Sachverhalt etwas verschönert? Da sitzt doch die Angst im Nacken, bei Ungehorsam den Arbeitsplatz zu verlieren. Die Angst vor Versagen und Verlust beschränkt sich aber nicht auf das untere und mittlere Kader, nein, gerade in den Chefetagen ist die Gefahr, Zahlen und Statistiken zu biegen am grössten. Dem obersten Gebot "Shareholder Value zu erhalten oder zu steigern" gilt es nachzukommen. Welche Skandale dies nach sich ziehen kann, hat gerade die jüngste Vergangenheit gezeigt.

Es gibt Situationen, wo der Umgang mit Ehrlichkeit viel Weisheit erfordert. Denken wir nur z.B. an die schwierigen Momente, in denen sich Ärzte befinden können. Muss ein Arzt einem hoffnungslos erscheinenden Krebspatienten die Fakten ins Gesicht sagen? Könnte in solch einem Fall Schweigen auch Nächstenliebe bedeuten? Wir müssen nicht alles sagen, was wir wissen; aber wir tragen Verantwortung für die Worte, die wir sagen.

Es braucht Mut zur Ehrlichkeit

Ob im privaten oder beruflichen Umfeld, es erfordert Mut, ehrlich zu sein. Dieser Mut - oder vielleicht eher De-mut - lohnt sich. Ein offenes und ehrliches Miteinander schafft ein wohltuendes Klima und lässt gegenseitiges Vertrauen wachsen. Das Sprichwort hat recht: Ehrlichkeit währt am längsten; Lügen haben kurze Beine. Ausserdem ist es befreiend, los zu sein von Vertuschungszwängen und den Ängsten, ertappt zu werden.

Auch gilt es, sich immer wieder bewusst zu machen, dass man zwar Menschen hinters Licht führen kann - mindestens eine Zeit lang - nicht aber den allmächtigen Gott, den Schöpfer des Menschen. Er weiss und sieht alles. Und er hat uns ein feines Instrument eingebaut, das Gewissen, das vor allem dann funktioniert, wenn es an den Geboten Gottes geeicht ist. Je enger die Beziehung eines Menschen zu seinem himmlischen Vater ist, desto eher bekommt er ein Gespür für das, was richtig und falsch, ehrlich und unehrlich ist. Geschehenes Unrecht lässt ihm dann keine Ruhe mehr. Es drängt ihn, die Sache in Ordnung zu bringen um Vergebung zu empfangen. Am schwersten ist meistens, dem die Unehrlichkeit einzugestehen, dem man sie angetan hat. Das erfordert oft Mut und Zivilcourage.

Vergebung ist der göttliche Schlüssel, um aus den Wirren und Verstrickungen der Unehrlichkeit herauszufinden. Christen, Menschen, die ihr Leben Jesus Christus anvertraut haben, bekommen die nötige Hilfe und Kraft, um in den vielen Konfliktsituationen und Versuchungen bestehen zu können. Das bestätigt auch Petrus am Anfang seines zweiten Briefes: Alles, was wir brauchen, um ein Leben zu führen wie es Gott gefällt, hat uns Jesus Christus geschenkt. Durch ihn haben wir Gott kennen gelernt, der uns in seiner Herrlichkeit und Kraft zu einem neuen Leben berufen hat. Durch ihn haben wir das Grösste und Wertvollste überhaupt: Seine Zusage, dass wir dem verdorbenen Wesen dieser Welt entrinnen und an der göttlichen Natur Anteil bekommen sollen.

Ehrlichkeit muss eingebettet sein in Liebe, Vertrauen und inneren Frieden und etwas Freiheit von sich selbst. Das alles sind Gaben, die Jesus Christus denen schenkt, die an ihn glauben und unter seiner Führung leben. Das tägliche Praktizieren der Ehrlichkeit allerdings, hat er uns überlassen.

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