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LIEBE

Interview mit Moritz Pfister
 
 
B: Seine Mutter starb bei der Geburt des jüngsten von neun Kindern, da war er gerade mal ein Jahr alt und kam zu Pflegeeltern. Mit 5 wurde er an eine Bauernfamilie als Verdingbub weitergereicht. Heute ist Moritz Pfister 83 Jahre alt und selbst Vater von 7 Kindern. Moritz, Verdingbub sein, was heisst das?

M: Das heisst in einer Familie untergebracht zu sein, damit man Essen hat, leben kann und eine Schlafstelle hat.

B: Was musstest du in dieser Familie machen?

M: Ich musste überall helfen. Zuerst als kleiner Junge musste ich kleine Arbeiten machen, je älter ich wurde, desto grösser und schwerer wurde auch die Arbeit, die man machen musste

B: Hattest du Zeit zum Spielen?

M: Da hatte ich wenig Zeit. Den Tag durch waren wir auf dem Feld und mussten arbeiten und wenn Schule war, musste ich am Abend noch diese und jene Arbeit machen. Spät am Abend mussten dann halt auch noch die Aufgaben gemacht werden.

B: Die Bauernfamilie, bei der du warst, hatte selber auch Kinder gehabt. Warst du in dieser Familie wie ihr eigenes Kind oder warst du eher ein Aussenseiter?

M: Eher wie ein Aussenseiter, nicht wie ihr Kind. Ich war schon angenommen, aber ich merkte halt, dass ich nur der Verdingbub war.

B: Was hast du gemacht, wenn du traurig warst zum Beispiel mal schlecht geträumt hattest, oder in der Schule ausgehänselt worden warst?

M: Dann bin ich für mich alleine in einen Raum gegangen oder beim Bauer in den Stall zu den Tieren. Die Tiere dort waren dann mein Trost.

B: Bei den Kinder der Bauersleute hast du gesehen, dass sie Liebe von ihrer Mutter bekamen. Hat dich das nicht traurig gemacht, wenn du keine Liebe bekamst?

M: Ich habe schon gemerkt, dass die mehr angenommen waren als ich. Ich war immer auf die Seite gestellt worden, wie man so sagt. Ich wurde von diesen Kindern auch viel gehänselt, weil ich ein Verdingbub war.

B: Mit 16 Jahren kamst du als Knecht ins Welschland. Ist dir das "Verdingbub sein" dort nachgegangen?

M: Das geht einem noch lange nach, damit hat man zu kämpfen. Das geht einem jahrelang nach.

B: Wolltest du eigentlich Knecht werden?

M: Nein, ich wollte immer etwas anderes werden, aber ich hatte keine Möglichkeit. Einem Verdingbuben wurde von der Gemeinde vorgeschrieben, wohin man zu gehen habe und was man zu tun habe.

B: Wann hast du das erste mal Liebe erfahren?

M: Als ich meine Frau kennen lernte.
b

B: Hast du dich so richtig in sie verliebt?

M: (lacht) Ja.

B: Selber hast du 7 Kinder mit deiner Frau. Da konntest du dann ein liebevoller Vater sein.

M: Ich habe es versucht.

B: Vor 14 Jahren hast du dein Leben Jesus Christus übergeben. Warum?

M: Ich und meine Frau hatten in der Ehe manchen Kampf. Das war immer noch in mir, dieses Knechtsein. Das gab Reibereien. Als wir Jesus gefunden haben, hat das schlagartig geändert. Als ich mein Leben Jesus gab, freute ich mich. Ich habe sofort diese Liebe im Saal gespürt.

B: Meinst du im Saal, wo der Gottesdienst stattfand, in den du gegangen bist?

M: Ja.

B: Und dort hast du diese Liebe bekommen?

M: Ja.

B: Hast du die immer noch?

M: (lacht) Ja.

B: Das ist wunderbar. Danke Moritz für das Gespräch.

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