Jeder braucht etwas Stress, um leistungsfähig sein zu können, wobei zu beachten ist, dass die Stress Disposition von Mensch zu Mensch verschieden ist. Der Eine kommt bei einem bestimmten Mass an Stressoren erst richtig in Schwung, während der Andere mit dem gleichen Mass bereits überfordert ist. Stress ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Gefährlich wird Stress erst, wenn er uns an die Grenze zur Erschöpfung bringt, oder wenn er zum Dauerzustand wird. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei manchen Menschen dadurch die Qualität des Immunsystems herabgesetzt wird, sie dadurch für Krankheiten aller Art anfällig werden.
Stress ist eine individuelle Angelegenheit
Eigentlich paradox! Unsere modernen, technischen Errungenschaften sollten Hilfe, Erleichterung und Entspannung fördern. Aber das Gegenteil ist der Fall. Überall ist Hektik, jede Stunde ist verplant - auch der Urlaub. Nachrichten werden in Sekundenschnelle übermittelt, Flugzeuge tragen uns in wenigen Stunden von einem Kontinent zum andern, von einem Klima zum andern. Der Stress beim Reisen in luftigen Höhen oder auf den Strassen verlangt dem Nervensystem das Äusserste ab. Das Gleiche gilt für unsere alltäglichen Besorgungen in der Stadt. Stress in Einkaufszentren, überall sind Geräusche, nirgends ein Ort, wo unser Organismus zur Ruhe käme. Und wenn wir uns dann endlich in den eigenen vier Wänden befinden, liefern Fernseher, Radio und Computer weitere Stressoren. Es scheint, der Mensch braucht "action", um der Langeweile zu entfliehen. Und mancher muss sich auf Trab halten, weil er die Stille gar nicht mehr ertragen kann. Er ist auf Ablenkung angewiesen.
Zu den äusseren Stressfaktoren kommen auch noch die inneren. Immer wieder wird unsere Seele beschwert, betrübt, geknickt. Denken wir nur an die schmerzhaften Folgen beim Verlust eines lieben Menschen; beim Verlieren des Arbeitsplatzes. Dazu kommen die immer intensiver werdenden Dauerkonflikte in Ehe, Familie und Beruf. Alles psychische Stressfaktoren, die unser Organismus aus dem Gleichgewicht werfen können. Die körperlichen Funktionsstörungen bleiben als Folge nicht aus. Die ersten Symptome, die auf eine Dauerüberforderung hinweisen sind: Grübeln, Gereiztheit, Schlaflosigkeit, Ängste bis hin zu Depersonalisationserlebnisse und Depressionen.
Einige praktische Tips gegen Alltagsstress
Es gibt Stress vorbeugende Massnahmen, die wir selbst beachten können - zum Beispiel:
- Die aktiven Stunden unseres Alltags sollten wir nur zu gut der Hälfte verplanen. Es werden sich bestimmt noch unvorhergesehene Telefonate oder andere Überraschungen aufdrängen. Wenn dann der Terminkalender bereits voll ist, wird das gesunde Tages-Soll überschritten; Stress stellt sich ein.
- Im Terminkalender sollten wir täglich genügend Zeit für uns selber einplanen. Diese Stunden der Ruhe werden zu den wichtigsten des ganzen Tages. In der Stille erholt sich der innere Mensch. Zusammenhänge werden wieder klar, Korrekturen möglich und Kreativität geweckt.
- Es gilt Ordnung zu halten; Unordnung führt zu Stress. Es lohnt sich, regelmässig den Papierstapel oder das schmutzige Geschirr abzuarbeiten - wenn irgend möglich. Die Dinge am richtigen Platz verstaut, spart Arbeit, Energie und Zeit.
- Übertriebener Perfektionismus vermeiden. Fehler sind erlaubt. Wichtig ist nur, dass wir aus Fehlern lernen. Perfektionismus macht zwanghaft und raubt extrem viel Energie.
Ganzheitlich zur Ruhe kommen
Die praktischen, alltäglichen Massnahmen gegen Dauerstress reichen aber nicht aus, um das Problem in der Tiefe - an der Wurzel - anzupacken. Es ist beim Thema Stress wichtig, sich ernsthaft zu fragen: "Wer oder was treibt oder peitscht mich innerlich derart an, dass es immer wieder zum Dauerstress kommt?" Wo liegen die tieferen Ursachen? Vielleicht will der Eine mehr sein oder mehr erreichen als vernünftig ist; und der Andere braucht permanent Anerkennung von Menschen? Könnte es sein, dass versucht wird, die Frage nach Sinn und Ziel des Lebens mit Überaktivität zu verdrängen; oder dass da Angst ist vor der Auseinandersetzung mit Gott und der Frage nach Schuld?
Echte, tiefe und dauerhafte Ruhe findet der Mensch erst, wenn er in Gott zur Ruhe gekommen ist. Darum rief Jesus Christus der Volksmenge zu: "Kommt alle zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Frieden geben. Nehmt meine Herrschaft an und lebt darin. Bei mir findet ihr, was euerem Leben Sinn und Ruhe gibt." Der Mensch, der sich von Gott angenommen und als sein Geschöpf geliebt weiss - trotz Fehler und Versagen -, der braucht nicht mehr von Erfolg zu Erfolg rennen. Dieser Mensch kann innehalten und in der Geborgenheit Gottes Kraft schöpfen. Er ist nicht mehr primär vom Lob der Menschen abhängig. Er hat seinen Wert von Gott her entdeckt, und sich für Gottes Liebe geöffnet. Er lebt in einer aktiven, innigen Beziehung mit dem himmlischen Vater. Sein Leben hat Sinn und Ziel für die Erdenzeit - aber auch für die Ewigkeit - gefunden.
Glaube im biblischen Sinn ist keine fromme Fassade, sondern entspringt einer persönlichen Begegnung mit Jesus Christus, dem Mittler zwischen Gott und dem Menschen. Nur durch ihn findet der Mensch Vergebung und Versöhnung und Wiederherstellung. Nur durch ihn bekommt er die Gewissheit geschenkt, dass das Sterben zwar das Ende dieses Lebens bedeutet, aber gleichzeitig auch der Übergang in ein neues Leben bei Gott - dem Schöpfer des Menschen. Dieses Wissen verändert die Sicht für die Herausforderungen und Anforderungen in der Gesellschaft. Der Christ muss nicht mehr alles in die verbleibenden Jahre und Monate einpacken, weil er weiss: Im Blick auf das Sterben darf er das Schönste noch erwarten! Dieses Wissen ist das beste Mittel gegen Stress.