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SELBSTWERT

von Werner Kniesel
Mit dem Erwachen des Bewusstseins stellt der Mensch sich auch die Frage nach seinem Wert. Er sucht nach Anerkennung und Bestätigung. Bekommt er diese in einem gesunden Mass während seiner Persönlichkeitsbildung, so festigt sich auch ein stabiler Selbstwert. Bleibt Lob und Ermutigung aus, oder hört er immer wieder nur Kritik, dann beginnt der Mensch an seinem Wert zu zweifeln. Dieses Gefühl minderwertig zu sein, kann jemanden derart beherrschen, dass es zur Selbstablehnung kommt. Der Betroffene kann sich nicht mehr leiden; und als Folge dieser Verbitterung verletzt er auch andere. Die eigene, verneinende Lebenshaltung wirkt wie Zündstoff: Das kleinste Reiben entfacht Feuer. Und dieses erfasst alle im Umfeld: Ehepartner, Eltern, Kinder, Freunde, Lehrer, Vorgesetzte und Kollegen. Dabei wird die eigene Persönlichkeit am meisten geschädigt, denn sein Verhalten macht ihn unbeliebt. Zwangsläufig wird dieser Mensch eines Tages bemitleidend konstatieren: "Niemand mag mich, niemand versteht mich!"

Quellen, die unseren Selbstwert negativ beeinflussen

Jeder erlebt im Alltag demütigende Situationen, die am Selbstwert rütteln wollen. So zum Beispiel am Arbeitsplatz, wo ein Vorgesetzter seinem Angestellten Überlegenheit demonstriert. Der Arbeitende wird nicht mehr als Mensch, sondern als Ware betrachtet, die leicht auswechselbar ist. Niederlagen erfolgen natürlich auch aufgrund eigenen Verschuldens. Und für viele ist der Stempel "arbeitslos" demütigend. Das nagt am Selbstwert. Eine weitere Quelle für Erniedrigungen ist die Ehe. Manch einer, der seinen Verdienst nach Hause bringt, wirft mit Sätzen um sich: "Das ist mein Geld!" Wie demütigend für den Partner und wie gefährlich für jede partnerschaftliche Beziehung. Es ist Samen für Bitterkeit und Reibereien. Eheliches Vertrauen und gegenseitige Hingabe zerbrechen. Auch in der Sexualität kommt es gerne zu Demütigungen. Wer nicht mehr feinfühlig auf sein Gegenüber eingeht, degradiert ihn zum Objekt. Vereinigung, wie sie vom Schöpfer - dem himmlischen Vater - gedacht ist, geht verloren; aber auch die Qualität und Tiefe der Gemeinschaft, das Bewusstsein von Zugehörigkeit, Geborgenheit und das Empfinden für den Andern wichtig und wertvoll zu sein.- Und es gibt noch manch andere Lebenssituationen, in denen unser Selbstwert auf den Prüfstand kommt.

Kreislauf zwischen Selbstwert - Schuld - Sühne

Das Minderwertigkeitsgefühl ist eine andere Form des schlechten Gewissens. Wer sich im Selbstwert herabgesetzt fühlt, der empfindet, seiner inneren Sollvorgabe nicht nachgekommen zu sein. Er klagt sich deshalb selber an. Das Pseudo-Ich beginnt sein ganzes Denken, Fühlen, Handeln und Streben zu beeinflussen. Es wird zur Lebensmitte, um das sich alles dreht. Man verfängt sich im kreatürlichen Gesetz von Anklage - Schuld - Sühne. Durch die vermeintliche Differenz zwischen Soll- und Ist-Zustand fühlt er sich schuldig; und um die Schuld zu lindern, will er sühnen, also Deckungsgleichheit erlangen, wieder gut machen. Aber weil das Ideal nicht erreicht werden kann, das Bild sich nicht mit der Realität deckt, bleibt das Schuldgefühl. Er stellt fest, dass das Defizit trotz Bemühungen nicht ausgeglichen ist! Ein Teufelskreis!

Die heilende Kraft göttlicher Vergebung

Schuld - auch im Zusammenhang mit dem eigenen Selbstwert - kann nicht mit menschlichen Bemühungen beseitigt werden. Schuld kann allein von Gott vergeben werden, weil er in Jesus Christus die Konsequenz menschlicher Schuld trug. Jesus Christus wurde durch sein stellvertretendes Leiden und Sterben zum Weg, der zurückführt zu einem Leben ohne die erdrückende Last der Schuld und zur ursprünglichen Beziehung zum himmlischen Vater. Wer durch ihn Erlösung und Vergebung erfährt, - geschenkt bekommt, ohne Eigenleistung, allein aus Gnade -, der wird auch befähigt, sich selbst und anderen zu vergeben; und auch sich selbst und andere anzunehmen und ihren Wert zu sehen. Es ist eine Kettenreaktion, die Agape (die göttliche Liebe) wirkt. Vergebung ist ein Liebeserweis Gottes und auch das Zeichen des Angenommenseins. Wer sich von Gott angenommen weiss, braucht sich selbst auch nicht mehr abzulehnen. Wer sich von Gott geliebt weiss, glaubt, dass die Worte Gottes, die wir in der Bibel finden, ihm ganz persönlich gelten. So lesen wir zum Beispiel im ersten Brief des Apostels Petrus (Kapitel 2,9): "Ihr (die an Jesus Christus Gläubigen) seid das erwählte Volk, ein Volk von Königen, die Gott als Priester dienen, ein heiliges Volk, das Gott selbst gehört. Er hat euch aus der Dunkelheit in sein wunderbares Licht gerufen, damit ihr seine machtvollen Taten verkündet. Früher ward ihr nicht Gottes Volk; aber jetzt seid ihr das Volk, das Gott gehört. Früher galt euch nicht das Erbarmen Gottes; aber jetzt habt ihr sein Erbarmen erfahren."

Unsere neue Identität besteht im Einswerden mit den Absichten und Zielen Gottes. Dieser Prozess beginnt, wenn der Mensch aufhört in eigener Regie über sein Leben zu bestimmen und Jesus Christus die Herrschaft und Führung überträgt. Das Geheimnis eines gesunden, stabilen Selbstwertes liegt demnach darin, das zu sein, was wir von Gott her sind und das zu tun, was Gott von uns möchte, um letztlich das zu werden, was wir von ihm her sein sollen.

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