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TOLERANZ

von Werner Kniesel
Humanistische Thesen liegen dem Toleranzdenken zugrunde. Auch im Christentum hat sich das humanistische Denken festgesetzt. Für viele bedeutet Christsein nur noch soviel wie "ein guter Mensch sein wollen". Wie und auf welchen Wegen spielt keine Rolle mehr: Wir sind doch alle tolerant!

Stellt man die beiden Weltbilder einander gegenüber, so erkennt man aber bald, dass die humanistische Toleranz-Überzeugung und der biblische Glaube wenig miteinander zu tun haben. Folgend die Hauptüberzeugungen der beiden Weltbilder, wobei zu beachten ist, dass der humanistische Toleranzgedanke natürlich auch verschiedene Ausprägungen und Schattierungen zulässt.

Das humanistische Lebensverständnis sagt: Der Mensch ist seinem Wesen nach gut!

Das wahrhaft Humane am Menschen ist zugleich auch das Gute. Fehlentwicklungen im Leben sind den äusseren Umständen zuzuschreiben: Der Gesellschaft, dem Staat, den Eltern, religiösen Institutionen etc. Weil aber der Kern des Menschen ja gut ist, soll an ihn der Appell gerichtet werden, das Gute ein Leben lang zu entfalten. Die trotzdem anfallenden, bösen Taten sind als vereinzelte Abweichungen von der eigentlichen, edlen Natur zu betrachten. Es gilt, schlechte durch gute Taten zu kompensieren.

Die Gesamtaussagen der Bibel zeigen: Der Mensch ist im Kern böse, in Schuld verstrickt!

Diese Schuld besteht nicht nur in unmoralischen Handlungen, sondern in der Trennung von Gott. Alles, was in unserem Denken, Fühlen, Wollen, Handeln und Streben dem Willen Gottes widerspricht, ist Schuld. Statt auf Gott zu vertrauen, vertraut der Mensch auf sich selbst; statt nach Gott zu fragen, fragt er nach seinen eigenen Wünschen. Auch wenn der Mensch Gutes tun will, so stellt er rückblickend immer wieder wie Paulus fest (Römer, Kapitel 7): "So sehr ich doch das Richtige tun wollte - was bei mir zustande kam, ist das Böse. Nicht mehr ich selbst scheine zu handeln, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Ich unglückseliger Mensch."

Der Humanist glaubt: Das Gute ist durch Vernunft erkennbar!

Ein Christentum der Vernunft, nannte es Lessing. Eine Religion, die sich ausschliesslich auf die Vernunft gründet. Geistige Entwicklung des Bürgers ist gefragt, Bildung. Bildungswissen soll sich der Mensch verinnerlichen; so sehr, dass er es in seinem Denken spontan anwenden kann. Diese neu gewonnen Einsichten - speziell aus griechisch-philosophischen Quellen - sollen den menschlichen Geist veredeln und ihn zum Guten verändern.

Der Christ weiss: Vernunft allein vermittelt dem Menschen nicht die Kraft zur tiefgreifenden, anhaltenden, positiven Veränderung!

Der Mensch ist von viel stärkeren Kräften bestimmt als das Denken. Hochintelligente Terroristen sind nur ein Beispiel für diese falsche Einschätzung. Auch passt sich die Vernunft gerne dem Endergebnis an und produziert Scheinargumente. In der Bibel finden wir die erfrischende Tatsache, dass die Vernunft eine Gabe ist, die Gott dem Menschen verliehen hat, - die aber nur in Verbindung mit dem Schöpfer des Menschen positiv eingesetzt werden kann. So mahnte schon der mit Weisheit gesegnete König Salomo (Sprüche 3): "Verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern setz dein Vertrauen auf den Herrn."

Die humanistische Überzeugung lautet: Der Weg des Menschen zu Gott besteht im Streben nach sittlicher und geistiger Vollkommenheit!

Gott, oder das Göttliche werde die nach Vollkommenheit Strebenden am Ende erlösen. Die Vorstellung des Göttlichen kommt in diesem Denken vor als etwas wie eine höchste Idee. Ziel ist es, dieser göttlichen Idee ständig näher zu kommen. Im humanistischen Lebensverständnis bleibt es ein Suchen und Streben. Für den Humanisten ist jeder suspekt, der behauptet, er hätte den persönlichen Gott gefunden.

Der christliche Glaube erklärt: Gott ist weder auf intellektuellem, noch auf ethisch-moralischem, noch auf religiös-kultischem Weg für den Menschen erreichbar.

Gott ist höher und grösser. Das Evangelium offenbart, dass Gott seinerseits die Initiative ergriffen hat, um mit uns Menschen in Verbindung zu treten; - eben weil er weiss, dass wir dies von uns aus nie schaffen könnten. "Gottes Liebe zu uns Menschen ist darin sichtbar geworden, dass Gott seinen einzigen Sohn (Jesus Christus) in die Welt gesandt hat, um uns durch ihn das Leben zu geben. Das ist das Fundament der Liebe: nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühneopfer für unsere Sünden zu uns gesandt hat."

Nun wird verständlich, dass Christsein nicht nur bedeutet, moralische Vorsätze zu fassen, etwas besser zu werden als bis anhin. Dies mögen Folgeerscheinungen sein, aber nicht Rettung. Gott, der Schöpfer und Erhalter allen Lebens hat sich zu dem einen - und alleinigen - Weg entschlossen: Die Erlösungstat auf Golgatha durch Jesus Christus. Nur wer Jesus Christus persönlich annimmt und an die Auferstehung und Herrschaft des Gottessohnes glaubt, findet zurück in die lebendige Beziehung zu Gott und findet Erlösung und ewiges Leben nach seinem Sterben. Darum hat Jesus zu Recht sagen können: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater als durch mich." Diese klare Aussage darf aber nicht verwechselt werden mit dem Absolutheitsanspruch einer Kirche oder eines, durch einen Menschen formuliertes, Dogmensystems; - denn Menschen sind und bleiben fehlbar.

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