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GLAUBEN

von Jakob Zopfi
Die Bibel erklärt alle ihre Hauptwahrheiten auf verschiedenste Weisen. In direkter Rede. Mit Gleichnissen. Mit Bildern und Geschehnissen aus dem Alltag. So auch bei dem so wichtigen Wort "Glaube". Eigentlich ist die ganze Bibel eine Einladung und Aufforderung zum Glauben. Darum geht es z.B. in allen 21 Kapiteln des Johannes-Evangeliums.

Nachdem im ersten Kapitel Johannes, Andreas, Petrus, Philippus und Nathanael zum Glauben an Jesus gekommen sind, folgt im 2. Kapitel "die Hochzeit von Kana". Sie ist nicht bloss die Beschreibung eines Ereignisses, sondern die Bibel nennt sie "das erste Zeichen, das Jesus tat". Zeichen in der Bibel bedeuten immer den ausgestreckte Finger auf eine Hauptsache. Hier weist der Finger auf "Glauben" hin. Zum Verständnis wollen wir gleichsam wie in einem Blick durchs Schlüsselloch entdecken: Wo ist Gott - und wo bin ich?

Es war also eine Hochzeit. Und schon sind wir beim Thema Glauben. Gott will sich mit uns Menschen verloben, vermählen. Das ist die grösste Liebesgeschichte unter der Sonne! Wo ist nun Gott in der Geschichte? Antwort: Jesus als Sohn Gottes war eingeladen.

Nun geschah eine Peinlichkeit. Was Maria ihrem Sohn meldete, wurde rundum getuschelt: "Der Wein ist ausgegangen!" Schon vor der Geburt Jesu wusste Maria von Jesu göttlicher Person. Aber dieser weist sie hart ab. "Was geht's dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen." - Das heisst: Ich bin nicht da, um aus einer momentanen Peinlichkeit zu helfen. Weg also mit einem "Gott-wird's-schon-richten"-Religion, mit einer Religion von Stossgebeten. Später werden sie alle kommen: "Hilf mir, dass ich zu meinem Erbe komme!" "Er kann Brot vermehren, den brauchen wir als König!" Da macht Jesus immer klar: "O nein: Meine Stunde, meine Sendung ist eine ganz andere!"

Jesus wusste schon jetzt, dass zur Vergebung unserer Schuld das Kreuz auf ihn wartete. Von allem Anfang an. Und dann kamen sie, die Häscher, mit Schwertern und mit Stangen. Er wurde vor die Richter gezerrt. Mit einem Rohr wurde zum Spott eine Dornenkrone auf sein Haupt geschlagen. Sie spieen ihm ins Antlitz. Sie geisselten ihn mit der römischen Geisselung, die viele nicht überlebten. Und schlugen ihn mit drei groben Nägeln ans Kreuz. Nicht wie, sondern als Verbrecher. Und da sagt Jesus: "Meine Stunde ist gekommen!"

Wo sind wir Menschen in diesem Text? Da stehen sechs steinerne Krüge. Der Mensch wurde am sechsten Schöpfungstag geschaffen. Die steinernen Krüge sind ein Bild von uns. Steinern! Gott sendet seinen Sohn, wir bringen ihn um wie Bestien. Und jetzt die immer breiter werdende Blutspur bis in unsere Tage. Muss da überhaupt ein Pfarrer auf die Kanzel, um zu reden von Hass, Eifersucht, Geiz, Ungerechtigkeit, Gottlosigkeit? Steinerne Herzen. Ein altes Wort -nicht in der Bibel- sagt: "Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf."

Da geschieht das Wunder. Jesus befiehlt, die Wasserkrüge zu füllen. Und vewandelt Wasser in Wein. Glaube hat nicht nur mit dem Wunder der Vergebung, sondern mit dem Wunder eines neuen Lebens, eines Neuanfangs, eines neuen Herzens zu tun. Aus dem steinernen wird ein neues Herz! Wie Jesus zu Nikodemus -gar einem Theologen!- sagt: "Du musst von neuem geboren werden!"

Maria weiss, dass Jesus Wunder tut. Den Dienern sagt sie aber auch das andere: "Was er euch sagt, das tut!" Das haben sie radikal getan: Sie füllten die Krüge bis obenaus! - Das Wunder, die Hauptsache, tut immer Gott. Den langen Weg ans Kreuz ging er. Aber Glaube erfordert, dass auch wir einen Schritt tun. Sei es, dass wir uns mal aufmachen, ein paar lebendige Predigten zu hören. Sei es, dass wir uns im Gebet an ihn wenden: "Herr, ich möchte glauben. Hilf mir dazu!" Oder dass wir bereit sein, ihm das Herz zu schenken!

Merken Sie auch, dass Jesus auch die Peinlichkeit regelte. Nicht nur Most vom Karmel - sondern kostbarsten Wein!

Wer es mit Jesus zu tun hat, wird immer sagen können: "Er hat alles wohlgemacht!" Da nun heisst es: "Die Jünger glaubten an ihn!" Herzen voll besten göttlichen Weins! - Und Bräutigam und Braut, Speisemeister, Diener, Hochzeitsgesellschaft? Sie alle wussten, was geschehen war - und schnalzten mit der Zunge. Das war's dann auch. Herzen aus Stein.

Vor kurzem fragte ich einen älteren Mann: "Wie alt bist du?" "Sechzehn" antwortete er - obwohl er 74jährig ist. Erklärung: Er war Theologe, Nachkomme übrigens des grossen Gottesmannes Graf von Zinzendorf. Und ungläubig, kalten Herzens. Da kam er in die Gemeinschaft von Gläubigen. Der herrliche Gesang liess ihn spüren: Gott ist gegenwärtig. Gottes Geist begann, an seinem Herzen zu wirken. Da erkannte er zum ersten Mal Christus als Gottes Sohn und seinen Retter. Er kam zum Glauben. So herrlich, dass er heute all die vorigen Jahre als Kot betrachtet.

Verstehen wir den Liedersänger?

Auf Golgatha litt einst der Herr

Den bittern Kreuzestod.

Dort trug er meine Sündenlast,

Half mir aus aller Not.

Wie ward des Menschensohn verhöhnt

Von jener blinden Schar.

Als er die ganze Welt versöhnt,

Der Fluch der Menschen war.

Was ich auf Golgatha vernahm,

Das bleibt mein Trost fortan.

Dass ich einmal zum Kreuze kam,

Erhebt mich himmelan.

Nach Golgatha geh ich getrost,

Dort hat mein Heiland mich erlöst.

Sein teures Blut herniederfloss.

das Er vergoss, für mich vergoss.

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