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GERECHTIGKEIT

von Werner Kniesel
Was ist Gerechtigkeit? Mit dieser Frage tun sich selbst Juristen schwer. Auch sie, die sich am ehesten bemühen, objektiv zu sein, scheitern an der Unzulänglichkeit allen menschlichen Urteilens. Gerechtigkeit ist daher niemals identisch mit irgend einer menschlichen Gesetzgebung. Gesetze werden in verschiedenen Ländern auch verschieden gehandhabt. Denken wir nur an die verschiedenartige Beurteilung von Totschlag oder Abtreibung. Weshalb dieses Durcheinander - von Land zu Land, von Zeitepoche zu Zeitepoche? Der Grund der Rechtsverwirrung liegt beim Menschen selbst.

Gerechtigkeit ist Ordnung des Schöpfers

Obwohl bei jedem Menschen ein gefühlsmässiges Wissen um Recht und Unrecht vorhanden ist, genügt das menschliche Mikrobewusstsein nicht, um wirklich einzusehen, was gut oder böse ist. Nur Gott hat das perfekte Bewusstsein. Doch der Mensch verdrängt, dass es eine letzte, höchste Instanz gibt, eine Norm, an der alle menschlichen Gesetze und jedes Handeln gemessen werden sollte: Das göttliche Gesetz der Gerechtigkeit, die Schöpfungsordnung, die über allen menschlichen Satzungen steht. An diesem sollten sich Gesetzgeber orientieren in ihrem Bestreben, gerechte Gesetze zu schaffen und ungerechte abzuschaffen. Ihr Einfluss bestimmt, ob Landesgesetze gut oder schlecht sind. Ohne den Maßstab des göttlichen Gesetzes der Gerechtigkeit ist das Wort Gerechtigkeit leerer Schall; - es ist höchstens etwas, was den Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt gerade passt. Göttliche Gerechtigkeit kann man nicht erfinden, diese kann man nur finden, - bei Gott. Er ist der Welten-Gesetzgeber in seinem Wort - der Bibel. Er hat jedem Geschöpf ein Lebensgesetz gegeben. Gerechtigkeit ist daher Ordnung des Schöpfers.

Ursprung der Ungerechtigkeit

Bis zum Sündenfall gab es keine Gerechtigkeitsprobleme. Die Menschen waren - im Unterschied zu heute - wirklich Gott ähnlich und lebten in direktem Kontakt mit ihm. Diese ersten Menschen schuf Gott aber nicht als Marionetten, sondern er adelte sie mit einem freien Willen: Sie konnten Ja oder Nein zu ihm sagen. Der Unterschied zwischen Gut und Böse war ihnen verborgen, solange sie nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen essen würden. Sie lebten in der Liebe, Gerechtigkeit und Geborgenheit Gottes. Der Geist des Menschen stand unter der Herrschaft des heiligen Geistes, der sie führte.

Der Grund zum Verbot, vom Baum der Erkenntnis zu essen, lag sicherlich im Wissen Gottes begründet, dass der Mensch, - wenn er seinen freien Willen dazu nutzen würde, die verbotene Frucht zu essen, um zur Erkenntnis von Gut und Böse zu gelangen -, nicht in der Lage sein würde Gut und Böse richtig zu unterscheiden; - geschweige denn das Gute auch zu tun. Gott wusste, wie der Mensch die ihm dann zuteil werdende Klugheit missbrauchen würde. Und tatsächlich, wenn es je eine Zeit gab, welche dies bestätigt, dann unser Zeitalter voll von Wissenschaften und technischen Errungenschaften und deren tödlichen Anwendungen.

Adam und Eva übertraten die Aufforderung Gottes, nicht vom Baum der Erkenntnis zu essen. Sie taten dies, weil sie an Gottes Liebe und Fürsorge zweifelten und weil sie selbst bestimmen wollten, was Recht und Unrecht sei. Durch diesen Akt der Rebellion kam die Ungerechtigkeit in diese Welt. Adam und Eva verloren ihre Unschuld, sie wurden schuldig - dafür klug. Daher besteht die eigentliche Schuld des Menschen in seinem Anspruch, selber bestimmen zu wollen, was gut und böse, was richtig und falsch ist. Der Preis für dieses Handeln war der Verlust der Gemeinschaft mit Gott. Von da an war jeder der Macht der Sünde und den menschlichen Schwächen ausgeliefert, auch dem Kampf zwischen Gut und Böse, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit.

Doch, trotz allen Fehlentscheidungen blieb Gottes Liebe zum Menschen bestehen. Gott wollte dem Menschen auch im Zustand des Ungehorsams helfen, den Weg des Rechts und Wohlergehens zu finden. Darum fing er an Gesetze zu geben. Durch diese Gebote und Verbote sollte das Verhältnis der Menschen untereinander, - aber auch das des Einzelnen zu seinem Schöpfer -, den Gerechtigkeitsnormen Gottes angepasst werden, um auf diese Weise ein glückliches Leben zu ermöglichen.

Die Gerechtigkeit des Glaubens

Von ihr lesen wir viel in der Bibel. Gott hat sie durch Jesus Christus gegeben für das persönliche Verhältnis des Einzelnen zu seinem Gott, und natürlich auch für das Leben der Christen untereinander. Dafür hat Jesus am Kreuz von Golgatha die herkömmliche Gerechtigkeit abgeschafft. So sagte er kurz vor seinem Sterben: "Vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!" Durch diese neue, vergebende Gerechtigkeit sollte ein Zurückfinden zur ungetrübten Beziehung zwischen Mensch und Schöpfer wieder ermöglicht werden. Das ist der Sinn des Erlösungswerks von Jesus Christus. Paulus drückt diesen neuen Rechtszustand so aus (Philipper 3,9): "Ich habe keine eigene Gerechtigkeit mehr, die ich mir etwa auf Grund menschlicher Leistungen zurechnen könnte. Ich kenne nur noch eine Gerechtigkeit, die, die Gott mir schenkt durch Glauben." Allein das Vertrauen auf Gottes Güte und Liebe, die sich im Opfertod durch Jesus Christus über alle Massen bewies, schafft mir die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.

Zwischen der weltlichen Gesetzgebung und der göttlichen sollte eine enge Beziehung bestehen. Die irdischen Normen sollten eine in menschliche Worte gefasste praktische Anwendung der Gerechtigkeits-Grundsätze Gottes sein. Es ist ja der gleiche Gott, der die Gesetze den Menschen gab und der das Seelenheil durch Jesus schaffte: Die Gerechtigkeit des Glaubens. Für beide Ordnungen ist der gleiche Maßstab gültig: die Liebe (Agape) Gottes. In diesem Sinn dienen auch die mangelhaften Rechtsnormen von Staaten oder das Vertragsrecht zwischen Parteien dem Liebesgedanken Gottes, solange sie ein geordnetes und einigermassen gerechtes Zusammenleben ermöglichen.

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