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KIRCHE

von Urs Schmid
Die Kirche hat in unserer Kultur und Gesellschaft schon sehr lange ihren festen Platz. Vielleicht zu lange, denn für viele ist der eigentliche Inhalt dieses Wortes verloren gegangen.

Für den einen ist heute Kirche das Wahrzeichen unserer Dörfer und Städte, ein besonderes Gebäude mit einem hohen Turm. Ohne die stattlichen Münster und Dome wären die Silhouetten von Städten wie Köln, Wien und Zürich kaum vorstellbar. Aber auch Dörfer wären ohne den markanten Kirchturm mit dem weithin sichtbaren Zifferblatt nicht denkbar. Die Gebäude dieser veralteten, verkrusteten, sterbenden Institution dienen hauptsächlich als Attraktion in den Fussgängerzonen unserer Städte oder als Museen für kunstvolle Architektur.

Für den anderen ist Kirche der Ort des Zur-Ruhe-Kommen, vertraute Geborgenheit. Eine Begleiterin aus Distanz, gelegentlich aufgesuchter Ort der Vergewisserung oder Raum für den feierlichen Rahmen der Höhepunkte unserer Leben.

Für den dritten ist Kirche eine Stätte der Begegnung, der Auseinandersetzung und der Reflexion. Eine Quelle mannigfacher Impulse, des Engagements und der Aktivität.

Was ist Kirche ursprünglich?

Im neuen Testament hat der Begriff "Kirche" nichts mit einem Gebäude zu tun. Das griechische Wort dafür ist "ekklesia" und bedeutet: Versammlung von Herausgerufenen. Im alten Griechenland war es auch ein politischer Begriff. Er bezeichnete zum Beispiel die Versammlung der wehrfähigen Männer auf dem Markt zur Beratung wichtiger Fragen. Für die alttestamentlichen Juden war "ekklesia" eine heilige Versammlung zu religiösen Zwecken, zum Beispiel um das mosaische Gesetz zu hören.

Die jungen, christlichen Gemeinden des neuen Testaments verstanden darunter eine kleine oder grössere Versammlung von Christen. Kirche in diesem Sinn entstand und entsteht nicht durch eine Rechtsform, sondern nur durch das Hören des Wortes Gottes, der heiligen Schrift. Im ersten Korintherbrief (Kapitel 6,19) wird uns bestätigt, dass nicht Gebäude aus Stein, sondern der Leib des Menschen der Tempel des heiligen Geistes sei. Hinter dem Ausdruck "ekklesia" steht also die entscheidende Botschaft, dass Gott im Menschen wohnen will. Damit kommt Gott uns näher als dem Volk des alten Testaments. Damals war die Gegenwart Gottes im Tempel aus Stein und Marmor zu finden. Im Allerheiligsten des Tempels wohnte Gott, und nur der ranghöchste Priester durfte einmal im Jahr, am Jom Kippur (Tag der Versöhnung), diesen Raum betreten. Seit dem Sterben und Auferstehen von Jesus Christus ist für alle Menschen der Weg ins Allerheiligste offen, nicht nur für die Juden. Allerdings braucht es ein persönliches Ja zu Jesus Christus. In den Stand der Gotteskindschaft wird man nicht automatisch hineingeboren, nein, dazu muss man sich entschliessen. Wir werden herausgerufen und herausgefordert, die Botschaft des Evangeliums persönlich ernst zu nehmen und darauf zu reagieren; unser Leben Jesus Christus anzuvertrauen. Gott möchte, dass alle Menschen zu Tempeln des heiligen Geistes werden, er möchte durch seinen heiligen Geist in uns wohnen. Unser Leib soll Gott geweiht sein. Menschen, die diesen Schritt getan haben sind Christen und bilden zusammen die "ekklesia".

Die Kirche lebt von Jesus Christus

Ob wir unter Kirche eine Ortsgemeinde, Landeskirche oder eine Konfession meinen, sie lebt nie vom Gebäude, nie von Traditionen oder bestimmten anderen Äusserlichkeiten. Die wahre Kirche lebt nur von Jesus Christus, der das Haupt der Gemeinde (ekklesia) ist. Die Bibel zeigt uns dies in vielen Bildern: Jesus Christus ist der gute Hirte der Herde, er ist der Bräutigam und die Gemeinde die Braut, er ist der Weinstock und wir Christen die Reben. Es geht also nie um eine Mitgliedschaft, sondern um eine innere Bereitschaft.

Ist dieses Verständnis von Kirche für Sie neu? Dann möchte ich sie ermutigen, sich in der heiligen Schrift zu informieren und zu überzeugen. Vielleicht haben Sie das Bedürfnis, persönlich dieser Kirche von Jesus Christus anzugehören? Dann lade ich Sie zu folgendem Gebet ein:

"Jesus Christus, ich verstehe ganz neu, dass Du nicht in Gebäuden und kirchlichen Traditionen oder Organisationen wohnst. Du wohnst in den Herzen derer, die dich lieben und dein Versöhnungsopfer angenommen haben. Zu dieser Kirche möchte ich gehören. Komm mit deiner Vergebung und mit der Kraft Deines heiligen Geistes in mein Leben und in mein Herz. Lass mich Dein Wort immer besser verstehen und schenke Du mir Gemeinschaft mit Menschen, die Dich ebenfalls lieben und ehren. Amen."

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