Das biblische Gebetsbuch sind die Psalmen. Sie zeigen, wie umfangreich der Inhalt der Gebete sein kann: Bitten, Danken, Busse oder Schreien aus tiefer Not. Die Evangelien geben uns Einblick in das Gebetsleben von Jesus Christus. Sein Leben auf Erden war geprägt von der Zwiesprache mit seinem Vater. In dieser innigen Beziehung lag das Geheimnis für sein Wirken. Sein Gebetsleben stellt uns immer wieder die Frage: Woher kommen wir, wenn wir die grossen und kleinen Entscheidungen unseres Lebens treffen? Vom Selbstgespräch in unseren Gedanken, von egoistischen Wünschen und Lüste, von drängenden Erwartungen unserer Mitmenschen - oder vom Zwiegespräch mit Gott?
Wahr werden
Beten ist Reden mit Gott. Es ist Antwort der von Gott angenommenen Menschen auf das Heilshandeln in Jesus Christus. Nicht, wie viele Skeptiker meinen, ein Selbstgespräch, auch kein Meditieren, ein sich Versenken in höhere Welten oder in sich selbst, sondern eine direkte Anrede, klagende Bitte oder Lobpreis zum lebendigen Gott, der hört. Jesus sagt, dass die wahren Anbeter den Vater "im Geist und in der Wahrheit" anbeten sollen. Biblisches Beten hat viel mit Wahrheit zu tun. Sie fordert auf, vor uns selbst, den Mitmenschen und Gott wahr zu werden. Damit geht die Bibel weit über die psychologische Ebene des Selbstgesprächs hinaus. Gottes Geist, der denen gegeben wird, die ihr Leben Jesus Christus anvertraut haben, hilft beim Beten. Ohne sein Mitwirken wären unsere Gebete tatsächlich Selbstgespräche, Träumereien oder religiöse Übungen, die nichts bewegen könnten. Die meisten Religionen kennen das Gebot zum Gebet. Durch solche Gebete versuchen Menschen, ihr religiöses "Soll" zu erfüllen oder für Verfehlungen Sühne zu leisten. Beten wird da zur Pflicht und zur Leistung; der Mensch betet in eigener Regie. Religiöse Leistungsfähigkeit findet bei Gott kein Ohr, durch Leistung findet der Mensch den Zugang zu Gott nicht. Allein der Tod von Jesus Christus am Kreuz von Golgatha hat dem Menschen den Zugang zum Herzen Gottes geöffnet. Kurz vor seinem Tod rief Jesus aus: "Es ist vollbracht!" Wer zu Jesus gehört, hat volle Vergebung und Wiederherstellung der Beziehung zum himmlischen Vater. Sein Beten ist nicht mehr Pflicht oder Abbittübung, sondern die Pflege einer Beziehung.
Persönliche Beziehung
Als Christen beginnen wir unser Gebet mit den Worten: Unser Vater, der Du bist in den Himmeln... Wir nennen Gott Vater. Damit zeigen wir die Art unserer Beziehung, keine distanzierte oder geschäftliche Beziehung wie zu einem Chef in einem grossen Konzern, den wir nur vom Hörensagen kennen, auch kein Verhältnis, das von Furcht geprägt ist wie zur Polizei, zu einem Richter oder Steuerkommissär. Christen stehen in einer Vater-Sohn, Vater-Tochter Beziehung. Sie wissen sich willkommen, angenommen und geborgen. Diese persönliche Beziehung zu Gott soll und darf jedoch nicht zu Stolz oder Selbstgerechtigkeit führen, sondern zur Demut, zu einer ernsten Orientierung an Gottes Wort, der Bibel und zum Dienst am Mitmenschen.
Vorbehaltlose Entscheidung
Das Gebet ist auch für mich eines der schönsten Geschenke. Kein Ereignis hat mein Leben derart geprägt wie die Erfahrung, dass Gott mir seine Nähe im Gebet neu geschenkt hat. Das "christliche Museum" in meinem Innern verwandelte sich in eine lebendige Wirklichkeit. Der Glaube im elterlichen Pfarrhaus prägte meine Jugend. Ich glaubte an Gott, aber meine ernsten Versuche, den christlichen Glauben echt zu leben, scheiterten immer wieder. Dies führte zu meiner Überzeugung, dass das christliche Weltbild nicht mehr in die heutige Zeit passe und daher eher Museumscharakter als erfahrbare Kraft fürs Leben habe. Von dem Tage an, an dem ich im Gebet mit der realen Gegenwart Gottes konfrontiert war, änderte sich alles. Eine tiefe Empfindung der unendlichen Liebe Gottes erfasste mich. Ich wusste gleichzeitig, dass Gottes Gegenwart nur dann die bestimmende Kraft meines Lebens werden und bleiben kann, wenn ich mich vorbehaltlos für ihn entscheide. Diese Entscheidung war schnell getroffen, denn ich hatte lange genug unter der inneren Sinnlosigkeit und Leere gelitten. Mir wurde ein neues Bewusstsein geschenkt: "Ich werde nie mehr allein sein, ich bin in Gottes Gegenwart geborgen." Dieses Wissen ist bis heute die bestimmende Kraft meines Lebens geblieben. Paulus formuliert dieses Geheimnis im Römerbrief, Kapitel 5, wie folgt: "Die Liebe Gottes (Agape) ist durch den heiligen Geist in unser Herz ausgegossen."
Wenn auch Sie diese Kraft zum Beten und Leben persönlich wünschen, dann entscheiden Sie sich, Ihr Leben Jesus Christus anzuvertrauen.