Hopenet.ch: Traditionen - braucht unsere moderne Welt dies noch?

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TRADITION

von Werner Kniesel
Traditionen sind von einer Generation an die andere weitergegebene, überlieferte Wertmassstäbe, Denkmuster und Verhaltensweisen.

Traditionen sind meist kulturbedingt

Der Mensch lebt von Erfahrungen, Kenntnissen, Fähigkeiten und Einsichten seiner Vorfahren. Jede Generation befindet sich in einer historischen, geistes- und kulturgeschichtlichen Situation, in der Traditionen behilflich und prägend einwirken.

Schon das Kind lernt bestimmte, familiäre Gepflogenheiten. Es muss zum Beispiel lernen, dass es Sitte ist, vor dem Essen die Hände zu waschen, oder die Hand bei der Begrüssung zu reichen. Es weiss schon früh, dass man in unserem Land beim Essen Geräusche unterlässt. In anderen Kulturen hingegen gehört es zum guten Ton, bestimmte Geräusche beim Essen zu machen, als Zeichen, dass es schmeckt und man dankbar ist. Wie vielseitig und umfangreich Traditionen sind, fällt einem bei Besuchen in anderen Ländern auf. Da findet man zum Beispiel noch Grossfamilien, wo alle mithelfen, das von Generation zu Generation weitergegebene Stück Erde landwirtschaftlich zu bearbeiten. Ihnen ist der Boden im wörtlichen Sinn noch vertraut - wie auch der Umgang mit Pflanzen und Tieren. Sie leben gemeinschaftlich in Traditionen, die wir Grossstädter nur bestaunen können. Wer in den Überlieferungen weiterlebt, trägt mit dazu bei, dass diese weiterbestehen und an die nächste Generation weitergereicht werden.

Traditionen auf religiösem Gebiet

Manch eine Kirche kennt bestimmte Formen für Gottesdienste, Abendmahl, Beerdigungen etc. Ihre Funktionäre treten in traditionellen Gewändern auf. Das ist nichts Schlechtes, im Gegenteil, es vermittelt das Gefühl von Sicherheit. Leider gibt es aber viele verwahrloste Brauchtümer in diesem Bereich. Denken wir nur an die Hochzeit, wo die Tradition vorsah, dass die Braut in einem weissen Brautkleid erscheint - oft mit einem schmucken Schleier. Diese Tradition war geknüpft an die Bedingung, dass die weisse Farbe nur dann verwendet werden durfte, wenn die Braut sexuell noch unberührt war. Solche Traditionen trugen dazu bei, dass die Institution Ehe und Familie, die heute so umstritten ist, einen hohen und verbindlichen Stellenwert behielt. Überlieferungen hätten in diesem Sinne auch bewahrende Funktion. Wenn aber Traditionen fragwürdig und dekadent geworden sind, dann ist der Punkt erreicht, wo man diese ehrlichkeitshalber besser abschaffen sollte.

Traditionen, Hilfe oder Ballast

Es gibt ganze Lehrbücher - wie der "Knigge" -, die uns mit Traditionen vertraut machen. Darin befinden sich auch viele Brauchtümer, die sich nicht begründen lassen. Warum nehmen wir zum Beispiel beim Essen die Gabel in die linke und das Messer in die rechte Hand - und nicht umgekehrt? Warum stecken wir die Gabel in den Mund und nicht das Messer - mindestens die Wohlerzogenen?

Traditionen kann man nicht pauschal als sinnvoll oder sinnlos, als gut oder schlecht einstufen. Die gleichen Überlieferungen können für den Einen Ballast sein, für den Anderen aber wertvolle Lebenshilfe. Sicher ist, dass jede Tradition, die keinen lebendigen Inhalt mehr hat, die hohl geworden ist, unter die Rubrik "Ballast" fällt. Unter diese Rubrik gehört bestimmt auch jede Überlieferung, die Feindbilder erzeugt, die Ghetto-Mentalität weckt, die zum Bösen verleitet oder mit Heuchelei verbunden ist. Hilfreich sind Traditionen da, wo sie als Orientierung dienen, und wo sie Werte wie eheliche Treue, Nächstenliebe u.a. vermitteln. Eine Gemeinschaft braucht Traditionen für den inneren Zusammenhalt. Die Zugehörigkeit eines Einzelnen zur geprägten Gemeinschaft bewahrt ihn vor Haltlosigkeit und Einsamkeit.

Traditionen im Christentum

Am 24. und 25. Dezember jeden Jahres feiern wir Weihnachten, die Geburt Jesu. Der weihnachtliche Rahmen wird durch mancherlei Formen bestimmt: Geschmückte Tannenbäume, Kerzen, Kugeln, Karten und Geschenke. Das sind alles schöne Brauchtümer. Doch sie sind hohl, wenn wir die eigentliche Bedeutung vergessen haben. Weihnachten ist mehr als das Fest der Liebe unter Menschen. Der Inhalt dieser Tradition hat mit der Liebe Gottes zum Menschen zu tun: "Weil wir alle Geschöpfe von Fleisch und Blut sind, ist auch er (Jesus Christus) ein Mensch von Fleisch und Blut geworden. So konnte er durch seinen Tod den entmachten, der mit Hilfe des Todes seine Macht ausübt, nämlich den Teufel, und konnte die, deren ganzes Leben von der Angst vor dem Tod beherrscht war, aus ihrer Sklaverei befreien" (Hebräer 2,14-15). Gott wurde Mensch, um uns Menschen die Liebe und Hilfe Gottes nahe zu bringen und den Weg der Versöhnung zu ebnen, indem er für die Schuld der Menschheit am Kreuz von Golgatha starb. Dies ist übrigens der tiefere Inhalt unserer traditionellen Osterfeiertage.

In eine lebendige und bereinigte Beziehung zum himmlischen Vater - und Schöpfer allen Seins - finden wir nicht durch Rituale und Traditionen, sondern durch die persönliche Entscheidung, sein Leben Jesus Christus anzuvertrauen. Haben Sie das schon getan?

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