Ob und wie Gott "Zeit" wahrnimmt, ist schwer zu beurteilen, denn er hat sie
ja selber geschaffen. Er ist nicht nur bezüglich Orten und Plätzen
allgegenwärtig sondern auch bezüglich der Zeit; Vergangenheit, Zukunft und
Gegenwart verlieren bei Gott ihre Bedeutung.
Es gibt einen Vers, bei dem Jesus dieses "Über-der-Zeit-Stehen" sehr klar und
besonders augenfällig beschreibt:
Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham wurde,
bin ich. Bibel, Johannes, Kapitel 8, Vers 58
Man muss diesen Satz mehrmals lesen, um diese Aussage von Jesus zu verstehen.
Besonders das Wort "bin", welches an sich ja eine Beschreibung des gegenwärtigen
Zustandes bzw. Aufenthaltes einer Person ist, zeigt uns eine Position Jesu zur
Zeit, die für Menschen unmöglich ist.
Jesus sagt hier nicht: "Ehe Abraham war, war ich, oder bin ich schon da
gewesen". Seine Aussage hätte so auch gestimmt (da Jesus schon vor seinem Kommen
in die Welt existierte). Aber mit der Formulierung "bin ich" stellt sich Jesus
auf den "überzeitlichen" Standpunkt Gottes - ein eindeutiger Anspruch seiner
Gottheit. Die Juden, mit denen er sprach, verstanden das auch sofort, und
versuchten ihn als Gotteslästerer umzubringen. |