B: Zeit zu haben ist in unserer westlichen Welt ein wichtiger Faktor.
Jeder Mensch hat 24 Stunden im Tag und dennoch haben die einen fast nie genügend Zeit und die anderen fast zuviel.
Peter Braun hat einen wichtigen Job im Bankbereich, ist Vater dreier kleiner Kinder, sportlich aktiv, in der Jugendarbeit tätig und hilft auch aktiv im Haushalt mit. Peter, wird dir bei diesem Programm die Zeit nicht zu knapp?
P: Für mich hat der Tag auch keine 48 Stunden, aber ich habe im Laufe der Jahre gemerkt, dass es für mich eine gute Zeit wie auch eine schlechte Zeit gibt. Die gute Zeit ist diejenige Zeit, die ich mit Menschen verbringe: mit meiner Frau, mit Kindern, mit Kunden, das ist diejenige Zeit, die eben nicht auf mich egoistisch bezogen ist, da ich nach meinen Plänen, nach meinen Zielen vorgehe, sondern auf Menschen ausgerichtet bin.
B: Darf der Mensch nicht für sich selber auch Zeit haben?
P: Diese Zeit ist sicher wichtig um aufzutanken, aber es sollte so sein, dass die Zeit nicht den Menschen bestimmt, sondern umgekehrt, dass der Mensch über diese Zeit seine Kontrolle behält.
B: Du scheinst die Zeit gut im Griff zu haben. War das immer so?
P: Nein, wenn ich mich an meine Teenagerjahre zurückerinnere, war es so, dass die Zeit mich im Griff hatte. Ich war sehr gestresst, ich war überpünktlich. Ich hatte deshalb auch einige Freunde verloren, weil ich pünktlich am verabredeten Ort war, aber wenn diejenige Person nicht da war, hatte ich mich sogleich verabschiedet. Ich hatte mir gedacht: "Wenn diese Person nicht pünktlich sein kann, dann bin ich eben nicht mehr da." Eigentlich ein sehr ungesunder Umgang mit der Zeit und das hatte mich in dieser Phase doch sehr gestresst.
B: Heute hast du eine andere Einstellung zur Zeit. Du nimmst sie etwas lockerer. Oder besser gesagt: Die Zeit hat nicht dich im Griff, sondern du die Zeit. Wie kommt das?
P: Ich bin auf meinem Lebensweg immer wieder in Berührung mit gläubigen Menschen gekommen, auch mit Umständen, die mich an einen Punkt geführt haben, wo ich mich für oder gegen Gott entscheiden musste. Es war wie eine Sackgasse: ich konnte entweder in die Mauer laufen und nein sagen oder ich konnte ja zu Gott sagen und den richtigen Weg einschlagen. Das habe ich gemacht: Ich habe Gott kennengelernt und habe dadurch auch ein ganz anderes Verhältnis zur Zeit bekommen. Das ist aber nicht auf einen Schlag passiert; dahinter steht eine Entwicklung.
B: Im Psalm 31,1 steht: " Meine Zeit steht in deinen Händen." Was bedeutet dir das?
P: Das ist eines meiner Lieblingslieder mit diesem Vers drin und es drückt aus, dass ich einen mir früher sehr wichtigen Bereich abgeben konnte. Ich bin in diesem Bereich nicht mehr ich-bezogen, sondern ich konnte die Optik wechseln und habe jetzt die Ewigkeit vor Augen, die uns offen steht und dadurch gewinnt der Faktor Zeit eine ganz andere Bedeutung.
B: Ich danke dir Peter für das Gespräch.